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Chronik

Die Chronik von Haus Coerde umfasst eine tausendjährige Geschichte.

Chronik

Haus Coerde – Ein Ort im Wandel

Der Ort hat eine tausendjährige Geschichte mit Zeiten von Mönchen, die sich mitnichten an ihr Keuschheitsgelübde hielten, mit Zeiten unter französischer Herrschaft und in öffentlicher Hand, mit Zeiten im Privatbesitz und mit einer Zeit als Herberge für Pflanzen, Gärtner und Gartengeräte. Ein durchlöcherter Turmhahn und viele Gebäude zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Jetzt beginnt eine neue Ära.

Der geschichtsträchtige Ort von Haus Coerde hatte jahrhundertelang eine zentrale Bedeutung für die ganze Gegend. Schon vor rund 1000 Jahren, im Jahr 1123, wurde dieser Ort erstmals urkundlich erwähnt –damals als Besitzung von Stift Cappenberg. In diesem Jahr übergaben Otto und Gottfried von Cappenberg ihre Burg und ihr Vermögen an den Orden zur Gründung des Klosters Cappenberg.

Die Stiftsherren und Mönche, kamen aus dem westfälischen Adel und gehörten zum Prämonstratenser Orden. Der Prämonstratenser-Orden verehrt den heiligen Norbert von Xanten als seinen Ordensgründer.
Es führte immer einer der Stiftsherren vom Stift Cappenberg die Besitzung Haus Coerde. Diese Stiftsherren von Haus Coerde wurden Pfarrrektoren genannt und waren, wie diese Bezeichnung auch vermuten lässt, Verwalter und Geistliche zugleich. Entsprechend hatte Haus Coerde zumindest seit dem 11. Jahrhundert eine eigene Kapelle, in der sich sowohl die BewohnerInnen des Gutes als auch die Menschen aus den umliegenden Bauernschaften regelmäßig zum Gottesdienst einfanden.

Zur Besitzung Haus Coerde gehörten neben dem zentralen Anwesen, dem Wohnsitz der Pfarrrektoren und heutigen Haus Coerde, Mühlen, Jagdgründe und etliche Höfe. In den Überlieferungen namentlich erwähnt sind die Höfe Schulze-Dieckhoff, Lippmann, Hagemann, Schmiemann, Ahlert, Holtmann, Krieckelbeck und Reckfort, die teilweise bis heute im Stadtgebiet von Münster existieren und bewirtschaftet werden. Quasi als Pacht mussten diese Höfe Geld, Naturalleistungen und sogenannte Handdienste auf dem Sitz des Pfarrrektors, dem heutigen Haus Coerde, leisten.

Die Besitzungen von Haus Coerde lagen in den Ortsteilen Gelmer, Coerde, Sprakel, Sandrup, Häger, Uhlenbrock, Nienberge und St. Mauritz. So waren die Einkünfte von Haus Coerde damals beträchtlich. Einen Teil davon mussten die Pfarrrektoren an ihr Stift Cappenberg abführen. Den vermutlich nicht geringen Rest konnten sie selber nutzen. Sie frönten der Jagd, oft auch dem Alkohol und dem Kegelspiel und hatten trotz Keuschheitsgelübde häufig Konkubinen und mit diesen auch Kinder, die neben dem Gesinde mit auf dem zentralen Anwesen lebten. Das war dem Bischof von Münster ein Dorn im Auge.

Viele Visitationsprotokolle von Kirchenvertretern dokumentieren, dass Zucht und Disziplin bei den Stiftsherren von Haus Coerde arg darniederlagen, ohne dass der Probst, der oberste Leiter von Stift Cappenberg, eingriff. Stattdessen ging dieser mit schlechtem Beispiel voran. So beklagte sich der Bischof von Münster häufig, allerdings ohne Erfolg, über das Benehmen der Stiftsherren. Denn diese konnten weitgehend schalten und walten wie sie wollten und mussten dem Landesherrn auch keine Steuern zahlen. Die meisten haben bis zu ihrem Tod auf Haus Coerde gelebt und sind auch dort begraben.

Das zentrale Anwesen von Haus Coerde war ein landwirtschaftlicher Gutsbetrieb mit Ackerbau, Viehzucht und Kleintierhaltung. Im 30-jährigen Krieg wurden Wohnhaus und Mühlen von Haus Coerde stark beschädigt.
Erst nach fast 800 Jahren endete mit der Säkularisation 1802/1803 die Stiftstätigkeit der Cappenberger Stiftsherren. Die Säkularisation bildete den Auftakt zu einem Jahrzehnt ständiger territorialer Veränderungen aufgrund der Machtkonstellationen und Besitzansprüche zwischen Preußen und Frankreich. Mit der Niederlage Napoleons entstand dann 1815 die Provinz Westfalen mit Ludwig Freiherrn von Vincke als erstem Oberpräsidenten.

Seit der Säkularisierung ist Haus Coerde Domainengut unter preußischem, französischem und wieder preußischem Besitz. Der erste Pächter des Gutsbetriebs Haus Coerde hieß Heumann. Dessen Frau heiratete nach seinem Tod den Landwirt Johannes Vrede. Urkundlich festgehalten ist aus dieser Zeit, dass im Jahr 1812 die Kapelle auf dem Gutsbetrieb Haus Coerde nicht mehr existierte, nachdem sie über acht Jahrhunderte gestanden hatte

Der einzige Überrest und damit Zeuge aus dieser Zeit ist der Turmhahn, der heute noch den Tennengiebel von Haus Coerde schmückt. Aber selbst an ihm haben die Franzosen Spuren hinterlassen: Er diente den französischen Truppen als Zielscheibe, so dass er ganz durchlöchert wurde. Die Mauersteine der Kapelle, so die Überlieferung, holten die Bauern der Umgebung für Reparaturen an ihren Stallungen.

Nach endlosen Auseinandersetzungen über Pachtzahlungen kaufte der bisherige Pächter Johannes Vrede 1827 schließlich den Gutsbetrieb Haus Coerde. 1859 trat sein Sohn Joseph Vrede das väterliche Erbe an und baute von 1860 bis 1870 das bis heute erhaltene spätklassizistische Herrenhaus mit der Tenne, das Ökonomiegebäude und die Kornscheune in ihrem heutigen Bestand. Heute steht fast die ganze Hofanlage unter Denkmalschutz.

Joseph Vrede hatte große politische Ambitionen: Er war jahrzehntelang bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Abgeordneter für die Provinz Westfalen. Seinen Gutsbetrieb verpachtete er derweil ab 1890 an Anton Möcklinghoff. Es folgten mehrere Enteignungsverfahren, die den Grundbesitz des Gutsbetriebs verringerten: 1894 zum Bau des Dortmund-Ems-Kanals, 1903 zur Verlegung von Druckrohrleitungen zu den Rieselfeldern durch die Stadt Münster und mehrmals für Wegerechte.

1913 übernahm der Neffe Joseph Vrede II den Gutsbetrieb Haus Coerde. Pächter blieb Anton Möcklinghoff.

In den 30er Jahren verkaufte Joseph Vrede II den Gutsbetrieb an die Stadt Münster und kaufte für seinen Sohn ein neues Anwesen. So war Haus Coerde etwa 110 Jahre und über drei Generationen im Privatbesitz bis es wieder in öffentliche Hände kam. Die Familie Möcklinghoff blieb als Pächter auf dem Gutsbetrieb.

Als der Landwirt Alfons Wemhoff 1954 die Tochter aus der Familie Möcklinghoff heiratete, übernahm er in neuer Generation den Pachtbetrieb. So blieb die Landwirtschaft erhalten. Die Familie Möcklinghoff-Wemhoff lebte noch über 50 Jahre auf Haus Coerde, bis 2007.

Parallel dazu nutzte die Stadt Münster Teile des ehemaligen Ökonomiegebäudes und die Remisen und ehemaligen Stallungen als Betriebshof und Werkstätten für das Grünflächenamt. Pflanzen der Stadt wurden in den Gewächshäusern untergebracht und die Schreinerei des Amtes fertigte und wartete hier Münsters Parkbänke. Täglich kamen etwa 40 Mitarbeiter des Amtes auf den Gutshof, um hier ihre Arbeit zu verrichten.

Diese Ära ging 2009 zu Ende und die Stadt Münster bot Haus Coerde erstmals zum Verkauf an. Zwischen 2009 und 2011 hatte ein Motorradtreff auf Haus Coerde seine Bleibe, es wohnten StudentInnen dort und ein Kinofilm wurde an diesem historischen Ort gedreht.
So haben auf Haus Coerde in der tausendjährigen Geschichte viele Menschen Geschichte geschrieben.

Ende 2011 hat die neu gegründete Wohngenossenschaft Haus Coerde eG die Hofanlage von der Stadt Münster gekauft und im Jahr 2012 grundlegend saniert und umgebaut.

Herzlich Willkommen auf Haus Coerde!

Ende 2011 hat die Wohngenossenschaft Haus Coerde eG die denkmalgeschützte Hofanlage Haus Coerde in Münster/Westfalen von der Stadt Münster erworben.

Haus Coerde liegt südlich der Rieselfelder im Naturschutzgebiet und ist gleichzeitig stadtnah.

Neben den Wohnungen der WohngenossInnen gibt es auf Haus Coerde neun vermietete Ateliers und Werkstätten sowie eine Biogärtnerei.

Reisenden mit Wohnmobilen bietet die Haus Coerde eG Reisemobilstellplätze zum Übernachten an.

Haus Coerde

Ein soziales und ökologisches Konzept belebt die historische Hofanlage.

Ateliers & Werkstätten

In neun Ateliers und Werkstätten arbeiten auf Haus Coerde Menschen mit unterschiedlichen Professionen.

  • Atelier Karin Sabe
  • Töpferei Ton-Studio
  • conImago
  • Atelier/Galerie Ingrid Hormes
  • Atelier Art & Weise
  • Atelier Sivlia Fassel
  • LandGenussWerkstatt
  • Atelier Annette Hinricher und Rolf Tiemann

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Wohngenossenschaft Haus Coerde eG
Coermühle 50
48157 Münster

Telefon: +49 (0)160 2051926
E-Mail: info@haus-coerde.de
Internet: www.haus-coerde.de

Genossenschaftsregister-Nr. 440
Amtsgericht Münster
USt-Id-Nr.: DE282389137

Inhaltlich Verantwortliche gemäß § 55, Abs. 2 RStV: Karola Wiedemann, Petra Maspohl, Anschriften wie vorgenannt

Webdesign, Support und Hosting: conImago®
Die Domain www.haus-coerde.de, Hosting und Support werden der Wohngenossenschaft und den Atellers & Werkstätten von conImago freundlicherweise kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Fotos: Karola Wiedemann
Historische Aufnahmen: mit freundlicher Genehmigung aus “Brands, R, Haus Körde 1022 – 1976 Münster-Coerde, Münster, 1976"